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Was ist Kokain?

Kokain gehört zu den psychotropen, das heißt bewusstseinsverändernden Substanzen. Es wird aus den Blättern des Koka-Strauchs hergestellt. Die Blätter enthalten etwa 1% des Alkaloids Kokain. Durch ein chemisches Verfahren wird daraus Kokainhydrochlorid gewonnen, das durch Beimischung von Streckmitteln in pulverisierter Form, bekannt als Koks, Weißes oder Schnee auf den Markt kommt.

Kokain wird nasal, d.h. gesnieft oder aufgelöst intravenös (in der Regel gemischt mit Heroin unter dem Begriff „Cocktail“) konsumiert. Das Kauen der Koka-Blätter erzeugt zwar auch eine Wirkung, jedoch nur eine sehr geringe, da zu wenig der Substanz aufgenommen wird.

Crack ist ein Derivat (Abfallprodukt) des Kokains in Form von weiß-gelblichen Kristallen, auch „rocks“ genannt.

Wie wirkt Kokain?

Kokain zeigt sowohl eine starke, stimulierende Wirkung auf die Psyche wie auch eine Wirkung auf den Blutkreislauf, indem es die Blutgefässe verengt und dadurch einen lokal betäubenden Effekt hat. Die stimulierende Wirkung des Kokains hängt direkt mit der Beeinflussung der Neurotransmitter im Gehirn zusammen. Die Nervenzellen, die Dopamin, Noradrenalin und Serotonin enthalten, werden verstärkt aktiviert. So kommt es zu einer sehr starken Stimulation des zentralen Nervensystems, welches sich äußert durch:

  • eine euphorische und gehobene Stimmung
  • eine gesteigerte Wachheit und Aufmerksamkeit
  • stark gesteigertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • sinkende soziale und sexuelle Hemmungen, verminderte Ängste
  • motorische Hyperaktivität durch den Anstieg der Pulsfrequenz, des Blutdrucks, der Körpertemperatur sowie der Atemfrequenz

Der Körper wird insgesamt auf eine höhere Leistungsfähigkeit eingestellt. Allerdings wird ihm keine Energie durch das Kokain zugeführt, vielmehr werden seine Kraftreserven verbraucht. Daher sind meist auch unangenehme Wirkungen und Folgeerscheinungen mit dem Konsum verbunden.

Charakteristisch für den Konsum von Kokain ist der phasenweise Verlauf der Rauschwirkung, bei der nach Abklingen der Euphorie negative Effekte in den Vordergrund treten können. Die positiv beschriebenen Stimmungen werden abgelöst von

  • innerer Unruhe
  • gesteigerter Aggressivität und erhöhter Reizbarkeit
  • Angst- und Wahnvorstellungen (akustische und optische Halluzinationen)
  • Depressionen bis hin zu Suizidgedanken
  • Körperlichen und psychischen Erschöpfungszuständen

Das Ausmaß der Wirkung, vor allem des stimulierenden, aufputschenden Effekts hängt sehr stark von der Konsumart, der Dosis und der Qualität des Stoffs ab.

Die häufigste Konsumform ist das Sniefen des pulverförmigen Kokainhydrochlorids. Die Wirkung entfaltet sich nach ein paar Minuten und dauert ca. 20 bis 60 Minuten an.

Beim intravenösen Konsum setzt die Wirkung bereits nach wenigen Sekunden ein. Das Gehirn wird schlagartig überflutet mit stimulierenden Substanzen, wofür auch Begriffe wie „Rush“, „Flash“ oder „Kick“ gebraucht werden. Die Wirkung allerdings hält nur sehr kurz an, nach ca. 10 Minuten verschwinden die euphorisierenden Effekte.

Ebenso verhält es sich beim Rauchen von Kokain: schnelle Wirkung, kurze Wirkdauer. Kokain wird in Form von Freebase oder in Form des Derivats Crack inhaliert. Hierbei kann der Wirkstoff besonders schnell in die Lunge und darüber in den Blutkreislauf gelangen. Ebenso hoch ist jedoch auch das Risiko dieser beiden Konsumformen, da die Abhängigkeitsgefahr durch den schnellen Kick besonders hoch ist.

Was sind die Risiken von Kokain?

Der direkte Konsum von Kokain verändert in rasanter Weise die Selbst- und Fremdwahrnehmung. Dadurch entsteht eine besonders hohe Risikobereitschaft, die zu diversen Gefahrensituationen führen kann.

Durch das schnelle Abflauen der positiven Effekte jedoch ist auch ein schnelles „Nachlegen“ erforderlich. Das Risiko nimmt durch den Konsum von immer höheren Dosen zu.Der Konsum ist umso gefährlicher, je schneller die Substanz vom Körper aufgenommen wird. So birgt insbesondere der intravenöse Konsum oder das Rauchen ein hohes Risiko. Neben der sehr schnellen Aufnahme des Suchtstoffs in das zentrale Nervensystem bestehen auch hier die Risiken, sich mit Infektionskrankheiten durch Spritzentausch anzustecken oder durch Streckmittel eine Vergiftung hervorzurufen. Zudem besteht beim Rauchen von Crack das Risiko, dauerhaft an der Lunge zu erkranken.

Bereits eine geringe Menge von Kokain kann bei überempfindlichen KonsumentInnen zu einem Kokainschock führen, der sich durch Blässe, kalten Schweiß und Atemnot äußert. Dies kann in einem Kreislaufkollaps enden, der zum Tod führen kann, wenn keine Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Erhöhte Dosen und Überdosierung können zu einer Kokainvergiftung führen. Es kommt zum zunehmenden Verlust der Koordinationsfähigkeit, Krampfanfällen durch Überregung, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit und zum Tod durch Atemlähmung.

Das Risiko, akut ernsthafte Probleme zu bekommen wird auch durch die schnelle Toleranzentwicklung begünstigt. D.h. man muss immer mehr konsumieren, um die gleiche psychische Wirkung zu erzielen. Kokain wird ein besonders hohes Abhängigkeitspotential zugesprochen. Eine psychische Abhängigkeit, d.h. es entstehen keine körperlichen Entzugssymptome, kann sich sehr schnell entwickeln. KonsumentInnen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, sind besonders gefährdet, die Effekte des Kokains für sich anzunehmen. Kokain ist in der Lage, zumindest kurzfristig die Zweifel an der eigenen Person zu vertreiben.

Der dauerhafte und regelmäßige Konsum von Kokain ruft schwerwiegende körperliche und psychische Schäden hervor, die dauerhaft Auswirkungen auf das Leben der KonsumentInnen haben können.

Zu den körperlichen Schäden gehören:

  • Schäden an Herz, Leber, Nieren, Lunge (durch Rauchen von Crack)
  • Schädigung der Blutgefäße und der Haut
  • Schwächung des Immunsystems
  • starker Gewichtsverlust
  • Rauchen von Kokain schädigt die Lunge (Cracklunge)
  • Schädigung der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen (durch das Sniefen von Kokain), die Folge ist chronisches Nasenbluten, Verminderung des Geruchs- und Geschmackssinns
  • Spritzen kann Infektionen zur Folge haben, bei der Verwendung gemeinsamer Spritzbestecke droht die Infektion mit Hepatitis und HIV
  • Die häufige Einnahme von Kokain kann bei Frauen zu starken Menstruationsbeschwerden bis hin zur Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen, dennoch ist eine Schwangerschaft möglich
  • Während der Schwangerschaft führt Kokain zu Früh- und Totgeburten wie auch zu massiven Reifungsstörungen, die unter anderem die Fehlentwicklung des Gehirns und anderer Organe zur Folge haben

Zu den psychischen Folgeschäden durch den Kokainkonsum gehören:

  • eine mögliche starke Veränderung der Persönlichkeitsstruktur, antisoziales und narzisstisches Verhalten
  • erhöhte aggressiv-reizbare Stimmung, innere Unruhe
  • sexuelle Funktionsstörungen (Impotenz)
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
  • Antriebs- und Konzentrationsstörungen
  • Angst, Verwirrtheit
  • paranoide Wahnvorstellungen und Halluzinationen bis hin zu schizophrenen Psychosen, charakteristisch sind die „Kokainwanzen“, bei dem KonsumentInnen überzeugt sind, Insekten krabbeln über oder unter der Haut

Aufgrund der Abhängigkeit können, wie auch bei anderen Suchtstoffen langfristig soziale Folgeschäden entstehen. Das „Abrutschen“ kommt zwar nicht so schnell vor wie bei der Opiatabhängigkeit, jedoch kann es genauso zu großen finanziellen Problemen und einer strafrechtlichen Verfolgung kommen. Zudem stellen sich meist Kontaktstörungen und Tendenzen zur Isolation ein.