FAQ > Opiate

Was sind Opiate?

Opiate sind psychoaktive (bewusstseinsverändernde) Substanzen, die aus dem Schlafmohn gewonnen werden. Der Milchsaft des Schlafmohns, das Rohopium, enthält ca. 40 verschiedene Wirkstoffe wie z.B. das Morphin. Zur Gruppe der Opiate gehören Opium sowie Morphium, welche schon seit Jahrtausenden als stark schmerzstillende Mittel bekannt sind.

Opioide stellen eine morphinähnliche Substanz (Opium-Derivat) dar, die In einem chemischen Prozess aus Morphin, also einem natürlichen Bestandteil der Opiate, hergestellt werden. In der Wirkung sind Opioide den Opiaten jedoch sehr ähnlich. Zur Gruppe der Opioide zählt z.B. Heroin. Ein weiteres Opioid ist das Methadon, bekannt als Ersatzstoff für die medizinisch gesteuerte Behandlung von Opiatabhängigkeit, die sog. Substitutionsbehandlung.

Szenenamen für Heroin sind H, Braunes, Shore oder Rocks. Heroin erscheint auf dem Markt als weißes oder beige-braunes Pulver. Opium hingegen wird meist zu einem Klumpen geformt, seine Farbe ist braun bis schwarz.

Opiate und Opioide können sehr schnell eine starke körperliche und psychische Abhängigkeit erzeugen.

Wie wirken Opiate?

Heroin dockt an den Opiatrezeptoren im zentralen Nervensystem an, die normalerweise von den Endorphinen – das sind körpereigene Opioide – besetzt werden. Eine Aktivierung dieser Rezeptoren mindert in erster Linie das Schmerzempfinden. Heroin gilt als eines der wirksamsten Schmerzmittel.

Heroin bewirkt gleichzeitig entspannende, beruhigende und euphorisierende Gefühle. Es dämpft die geistige Aktivität und beseitigt unangenehme Empfindungen wie Angst, Unlust und Gefühle der Leere. Probleme, Konflikte und vor allem traumatische Gefühle/ Erinnerungen werden kurzzeitig ausgeblendet. Die KonsumentInnen fühlen sich vorübergehend vollkommen glücklich und zufrieden.

Die Auswirkungen auf den Körper und die Psyche hängen auch von der Konsumform ab. Heroin kann entweder intravenös injiziert, nasal konsumiert oder geraucht werden. Ein besonderer Anreiz für den Konsum von Heroin ist die unmittelbar auftretende Wirkung kurz nach Einnahme. Bei Konsum von Heroin tritt anfangs oftmals starke Übelkeit auf.

Wird Heroin gespritzt, so tritt der Wirkstoff besonders schnell über die Blutbahn in das Gehirn und kann somit unmittelbar auf das zentrale Nervensystem wirken. Die KonsumentInnen erleben zunächst einen kurzzeitigen, aber sehr intensiven „Flash“, der dann in die unten beschriebene Wirkung übergeht.

Beim Heroinkonsum wird in Deutschland überwiegend die intravenöse Form bevorzugt, da für den erwünschten Kick weniger Heroin benötigt wird als beim Rauchen. Jedoch sind beim Spritzen die Infektionsgefahren um ein Vielfaches höher. Siehe auch „Was sind Risiken?“

Aufgrund der schnellen Entwicklung einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit kommt es bei HeroinkonsumentInnen bereits schon wenige Stunden nach dem letzten Konsum zu Entzugserscheinungen.

Die körperlichen Entzugserscheinungen reichen von Unruhe, Schweißausbrüchen, Zittern, Schwächegefühlen, Gliederschmerzen, Magenkrämpfen und Übelkeit über Kreislaufstörungen, Temperaturschwankungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit schweren Krampfanfällen und akuten Geistesstörungen.

Die psychische Abhängigkeit und damit verbunden die Entzugserscheinungen sind erkennbar durch Unruhegefühle, Angst und depressive Verstimmungen bis hin zu Selbstmordgedanken und tritt auf, weil die berauschende Wirkung ausbleibt. Die Psyche hat den positiven Effekt des Konsums erlernt und so entsteht ein starkes Verlangen (craving) nach einer erneuten Dosis.

Da Opioide in der Wirkung den Opiaten sehr ähnlich sind, wurde hier nur die Substanz „Heroin“ beschrieben.

Was sind die Risiken von Opiaten?

Der Konsum von Opiaten/ Opioiden birgt ein sehr hohes Risiko, schnell eine körperliche und psychische Abhängigkeit zu entwickeln (siehe „Wie wirken Opiate?“). Damit gehen diverse Nebenwirkungen und langfristige Folgeschäden einher. Die Heroinabhängigkeit gilt als eine der schwersten überhaupt.

Die Risiken bzw. Auswirkungen können von kurzfristiger Natur sein, aber sich auch dauerhaft auf das weitere Leben auswirken.
Direkt nach dem Konsum von Heroin kann es zu einer erhöhten Risikobereitschaft kommen, da die Wirkung zunächst euphorisierend, dann aber im nächsten Augenblick sedierend ist. Durch die beruhigende Wirkung besteht so die Gefahr einer Atemlähmung und damit verbunden einer Bewusstlosigkeit.

Bei einer akuten Überdosis mit Heroin kommt es zu einem Atemstillstand, der tödlich enden kann, wenn nicht sofort reagiert wird. Sie zeigt sich durch Bewusstlosigkeit, Atemprobleme und Kreislaufversagen mit Verlangsamung der Herztätigkeit. Da alle Reflexe während der Bewusstlosigkeit ausgeschaltet sind, besteht auch die Gefahr, an Erbrochenem zu ersticken.

Die Überdosierung wird oftmals dadurch begünstigt, dass kursierendes Heroin, „Straßenheroin“, einen unterschiedlich hohen Reinheitsgehalt aufweist. So können bei sehr reinem „Stoff“ auch erfahrene KonsumentInnen die Gefahr nicht abschätzen. Besonders bei seltenem Konsum ist hierauf zu achten. Bei nicht an die Substanz gewöhnten Menschen setzt die toxische Wirkung bereits bei 5 mg ein.

Zudem können von den Streckmitteln, die dem Heroin beigesetzt werden, zum Teil lebensbedrohliche Gefahren für die KonsumentInnen ausgehen, wie z.B. eine akute Vergiftung. Als Streckmittel werden z.B. Strychnin (Rattengift), Glucose oder Koffein verwendet.

Entgegen der häufigen Annahme ist reines Heroin nicht schädlich für die Organe. Der jedoch meist damit einhergehende Mischkonsum mit anderen Suchtstoffen wie z.B. Alkohol, Medikamenten und Kokain führt zu gefährlichen Wechselwirkungen.

Ein weiteres großes Risiko geht vom intravenösen wie auch nasalen Konsumieren aus. Das Ansteckungsrisiko für Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C durch den Gebrauch von nicht sterilen Spritzen bzw. Spritzentausch ist besonders hoch. Drogenkonsum zählt als eine der häufigsten Ursachen für die Ansteckung von HI-Virus und Hepatitis C.

Heroinabhängigkeit führt auf lange Sicht gesehen meist zu einer körperlichen, psychischen und sozialen Verelendung.

Die Gründe hierfür sind der körperliche Abstieg durch den Konsum und den damit einhergehenden Folgeerscheinungen und -erkrankungen, das Ausüben von Beschaffungskriminalität, wie illegale Prostitution, Diebstähle und Dealerei und damit verbunden einer strafrechtlichen Verfolgung sowie Arbeits- und Wohnungsverlust. Das Leben auf der „Szene“ hat große Auswirkungen auf die psychische Befindlichkeit. Die Gefahr, „abzurutschen“ ist bei der Heroinabhängigkeit besonders groß.

Saver Use

Dies ist keine Anleitung für den Konsum von Heroin! Wenn dieser jedoch nicht umgangen werden kann, ist es wichtig, ein paar schützende Punkte zu beachten!

  • Durch den intravenösen Gebrauch werden die Gefahren von Heroin verstärkt, da das Rauschmittel so direkt und schnell in den Blutkreislauf gelangt und sich die Wirkung in voller Stärke zeigt!
  • Das Risiko verstärkt sich noch um ein Vielfaches beim Gebrauch von unreinem Besteck oder falscher Handhabung. Es kann zur Übertragung von HI-Viren und Hepatitis B-/ Hepatitis C – Infektionen, sowie zu Abszessen, Thrombosen und Herpes kommen.
  • Auch beim gemeinsamen Gebrauch des Werkzeugs, z.B. Filter oder Löffel, können Bakterien, Pilze und auch Hepatitis C übertragen werden.
  • Da die Qualität und somit auch der Wirkstoffgehalt des Heroins meist nicht bekannt ist, sollte immer erst eine geringere Dosis konsumiert werden.
  • Auf Mischkonsum, z.B. „Cocktails“ oder Beimischung von Diazepam sollte ganz verzichtet werden, da die Wirkung zum Teil nicht abschätzbar und das Risiko einer Überdosierung bzw. einer Vergiftung sehr hoch ist.

Wenn auf intravenösen Konsum nicht verzichtet werden kann, ist es wichtig, bestimmte Spielregeln zu beachten:

  • Es sollte immer sauberes Spritzenbesteck benutzt werden! In vielen Beratungs- und Anlaufstellen können alte Spritzen kostenlos gegen neue Spritzen ausgetauscht werden.
  • Immer einen neuen Filter und steriles oder frisches Wasser gebrauchen!
  • Zum Aufkochen immer Ascorbinsäure benutzen, auf Zitronensaft wegen des Fruchtfleisches verzichten!
  • Beim Spritzen von Heroin immer den Einstich in Herzrichtung und nur in Venen (dunkles Blut) setzen, nie in eine Aterie (helles, schaumiges Blut)!

Rauchen oder „sniefen“ sind risikoärmere Alternativen zum intravenösen Konsum. Sie verringern das Risiko von Erkrankungen und Überdosierungen. Dennoch birgt auch diese Konsumform Gefahren:

  • Man sollte auch beim „sniefen“ darauf achten, nur eigene Röhrchen zu benutzen, denn es können so auch Hepatitis-Viren übertragen werden.
  • Beim Rauchen kann es zu starken Reizungen der Atemwege kommen.

Ganz grundsätzlich gilt:

  • Konsumiere nicht allein, damit immer Hilfe in Deiner Nähe ist!
  • Achte darauf, wie es Dir geht und ob Deine Umgebung passend ist!

Sollte es trotz Vorsichtsmaßnahmen zu einem Notfall kommen:
Giftnotruf: 0761/ 19240 oder Notruf 112